* Hinschauen statt Wegschauen & die Chance erfahren alte Gewohnheiten zu brechen *

Gerade komme ich vom Supermarkt. Nachhaltige Lebensweise ist gerade wieder relativ präsent in unserem Leben und so war das Einkaufen dieses mal gar nicht so einfach. Bei uns ist das Essen immer pflanzlich, allerdings vieles in Plastik verpackt und hat schon mega lange Strecke auf dem Buckel. Aber ich war recht erfolgreich beim Einkaufen und der Garten gibt mittlerweile auch schon einiges her. Und erst am vergangenen Wochenende konnte ich noch mehr Erfahrung mit essbaren Wildkräutern, die echt überall hier wachsen, sammeln. Ein echtes Geschenk. Plastik fasten steht zeitnah bei uns auf dem Plan. Aber ich wollte über etwas anderes schreiben, wobei Konsum und vor allem nachhaltiger und achtsamer Konsum, auch ein wahnsinnig tolles Thema ist. Hier kann jeder jeden Tag etwas optimieren. Vielleicht hast du auch Lust und kannst dein Konsumverhalten ab und an mal überprüfen und dir überlegen, was du zu einer saubereren friedlicheren Welt beitragen kannst? Auch ein Thema, mit dem wir wohl früher oder später automatisch in Berührung kommen, wenn wir den Mut haben, uns mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen.

Als ich heute den Supermarkt verließ und die Hitze mir entgegen kam, sah ich auf einer Treppenstufe vor einem Fahrradladen einen Mann sitzen. Er war schon ein wenig älter, guckte auf dem Boden und machte auf mich einen traurigen, schlappen Eindruck. Ich fragte mich ob es ihm ggf. auch aufgrund der Hitze nicht gut geht. Ich sah ihn nur aus der Ferne, da mein Auto in einer anderen Ecke stand. Ich packte die Einkäufe in den Kofferraum, schaute ab und an mal zu ihm, packte weiter das Auto ein. Während des Einpackens beobachte ich zwei Stimmen in mir. Eine Stimme, die hingehen und fragen wollte, ob alles ok ist. Eine andere Stimme, die sich nicht traut. Die vielleicht Angst vor irgendetwas hat. Die sagt „ach der hat doch gar nichts“. „Aber was kostet es schon diesen Mann zu fragen…“ sagte mir in diesem Augenblick die andere Stimme. „Steig in dein Auto und fahre, es ist warm“ sagte dann wieder die andere Stimme. Eine laute Diskussion in meinem Kopf. In diesem Augenblick musste ich an Situationen in der Stadt denken. Situationen in denen ich Obdachlose z.B. auf der Straße sehe, sehe wie sie in der Kälte liegen und einfach an ihnen vorbei laufe. Mich nicht traue sie anzusprechen, sie zu fragen ob es ihnen gut geht und ob ich etwas für sie tun kann. Mein Herz hat den Impuls anzuhalten, zu fragen, in Kontakt zu gehen. Der Kopf dagegen hat´s eilig, hat Angst, dass es nur `ne Masche´ ist, traut sich nicht, denn was sollen die anderen denken etc. Und in solchen Situationen habe ich mich bislang immer für den Kopf entschieden. Bin weitergegangen. Hatte diesen Menschen zwar noch kurz in Erinnerung aber dann kam bereits eine Ablenkung durch das Geschäft wohin ich gerade wollte…

Und heute war alles anders und das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Liebe. Ich habe heute das erste Mal auf meine Herzensstimme gehört und diesen Mann angesprochen. Ich habe meinen Einkaufswagen weggebracht und bin zu ihm gelaufen. Er schaut traurig auf den Boden. Und ich stand vor ihm und habe gesagt, dass ich mich gefragt habe, ob es ihm gut geht und ob ich etwas für ihn tun kann. Er brauchte meine Hilfe Gott sei Dank nicht. Wartete nur darauf, dass das Fahrradgeschäft gleich öffnete. Und dennoch bin ich glücklich und stolz ein altes Verhaltensmuster, in dem Fall das alte Muster des Wegschauens und Weitergehens, gebrochen zu haben. Ich konnte ihm helfen, indem ich ihm die Frage nach der Uhrzeit beantworten konnte. Und ich konnte mich vergewissern, dass er ok ist. Dass er keine Hilfe braucht. Und ihm ein Lächeln schenken.

Was mir auch dabei geholfen hat, ihn anzusprechen und somit auf mein Herz zu hören war, dass ich mich in Situationen meines Lebens versetzt habe, an denen ich mich traurig und einsam gefühlt habe. Es gab oft Situationen, wo ich mir jemanden gewünscht hätte, der mich fragt ob alles ok ist oder mir ein Lächeln schenkt. Dann sieht der Moment oft schon wieder ganz anders aus. Heute habe ich es echt geschafft. Bin hingegangen und habe ihn angesprochen. Und es war genau richtig. Zwar war es in dieser Situation nicht nötig aber es können andere Situationen kommen, wo Hilfe gebraucht wird. Und es gibt unglaublich viel Energie, alte Gewohnheiten, alte Muster zu brechen und neue Wege zu gehen.

Eine Gewohnheit zu brechen darf uns mit Freude und Stolz erfüllen und das fühle ich gerade sehr. Allerdings muss es auch Wiederholt werden, damit es zur neuen, wundervollen, freien Herzensgewohnheit werden darf. Und das wird jetzt geübt. Weggucken war gestern. Hingucken ist heute. Ein Lächeln schenken kostet nichts. Sich bei jmd. nach seinem Zustand zu erkundigen ebenfalls nicht. Es kostet nichts aber schenkt so viel. Dieser Mann war heute mein persönliches Geschenk, der mir gezeigt hat, dass ich in den letzten Jahren, Monaten und Tagen immer mehr zu mir selbst finde. Meinem Herzen Gehör schenke und entsprechend handle. Was gibt es schon zu verlieren. Gar nichts. Es ist wundervoll Gutes in die Welt zu bringen. Geben schenkt so viel mehr als immer nur etwas haben zu wollen. Als bspw. zu kaufen und zu konsumieren. Es schenkt Liebe die wir tief in unserem Herzen spüren, wenn wir uns dafür öffnen.

Ich danke diesem Mann, dem ich heute  begegnen durfte und der mich mit mir in Kontakt gebracht hat. Ich liebe die persönliche Entwicklung mit all ihren Höhen und Tiefen und an solchen Situationen wie heute, solchen impulsartigen Handlungen, die einfach spontan geschehen, merke ich wieder, dass es genau der richtige Weg ist.

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